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Berndes ...Allee

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Berndesallee

Kontroverse Diskussion

Gut besucht war die Veranstaltung von kultur+politik. Fast 50 Besucher hörten den Vortrag von H.-G. Meyer, der mit erstaunlichen Recherchen versuchte zu belegen, dass "Berndes" - nachdem eine Straße in Ingelheim benannt war und eine noch in Heidesheim benannt ist - keine zu mystifizierende Heldenperson war, sondern wie Meyer zusammenfasste: ein Opportunist. Berndes war bereits 1933 der NSDAP beigetreten und zeichnete sich im Verlauf der Jahre von 33 bis 45 durch aktive Politik für die Nazipartei und gegen die jüdische Bevölkerung aus. Meyer charakterisierte Berndes als eben einen aktiven Vertreter der Naziideollogie. Ohne solche Menschen wie Berndes hätte der Faschismus in Deutschland nicht Verbreitung gefunden, Berndes habe nie aus Not oder Zwang für die Nazis handeln müssen. Dabei gab Meyer auch Fakten zur Kenntnis, die eindeutig belegen, dass Berndes auch in der ihm zugeschriebenen Aktion am Ende des 2. Weltkrieges unglücklich aber nicht heroenhaft gehandelt habe. Berndes scheint danach eher eine tragische Figur, die durch eine fatale Fehleinschätzung der militärischen Lage den Tod am Strang erlitt. Meyer betonte, dass es endlich gelte, sich von Mythenbildung und Märchenranken zu verabschieden. Die üblichen - eher auf Gerüchte und zweifelhaften Zeitzeugenberichten basierenden - Darstellungen, heroisierten auf unzulässige Art und Weise eine Handlung, die so gar nicht stattgefunden habe. In den Köpfen mancher stellt sich vielleicht die Endphase der Kriegshandlungen in Rheinhessen und speziell in Ingelheim so dar, dass Berndes quasi heroenhaft Ingelheim mit der weißen Fahne in der Hand den heranrückenden amerikanischen Truppen kampflos übergeben wollte, damit viele Opfer in Ingelheim verhinderte und dafür schließlich von den Nazis aufgehängt wurde. Meyer belegt mit akribischen Dokumenten, dass dies eine Mär sei, die jeder Wahrheit widerspreche. Berndes saß einer Falschmeldung auf, einer Verwechslung von Gau-Algesheim und Waldalsgesheim. Er ging deshalb davon aus, dass die Amerikaner kurz vor Ingelheim stünden ( In Wahrheit kamen sie erst 2 Tage später). Er wollte als Führer des Volkssturms und durch eine knappe Abstimmung mehrerer Beteiligter daraufhin Ingelheim kampflos übergeben. Dies wurde ihm dann zum Verhängnis. Später gab es in der Tat kaum Widerstand gegen den Einmarsch der Amerikaner. Meyer: "Berndes ging davon  aus, dass ihm nichts mehr passieren konnte!" Herr Meyer veröffentlichte in seinem Vortrag erstmals einen Brief eines der Söhne von Berndes, der darin aufforderte, den Straßennamen "Berndesstraße" in Ingelheim zu entfernen.

Ungeachtet der vielen Belege und Dokumente von H.-G. Meyer sprachen sich einige Besucher der Veranstaltung für den Verbleib des Straßennamens aus. Dabei wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Tat von Berndes doch die gewesen sei, weitere Opfer in Ingelheim zu verhindern, er sei praktisch ein Saulus gewesen, der zum Paulus wurde. Zumindest sei es eine "gebrochene Persönlichkeit", wie es ein Diskutant nannte. Es wurde entgegnet, was wir wohl unseren Kindern vermitteln, wenn wir eine solche Person ehren, welche Werte wir da hochhalten: Opportunismus, Duckmäusertum, Schweigen, Verdrängen...das könnten doch nicht unsere Werte in der heutigen Demokratie sein.

Die Veranstaltung zeigte, dass es noch einiger Diskussionen in Heidesheim bedarf, bis eine Entscheidung getroffen werden kann. Die Veranstalter versprachen nicht zu schweigen und weiter zum Nachdenken beizutragen.

 

Aktualisiert ( Donnerstag, den 17. Mai 2012 um 13:08 Uhr )  

Kommentare  

 
#1 profile5480 2018-11-01 18:01
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