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Wahlkampf

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SchwachPerfekt 

Erste Runde der Bürgermeisterkandidaten auf einer Veranstaltung der "Bürgerinitiative Sommeraue" 12.05.

Heidesheimer Soap?

Die Bürgerinitiative lud die drei Bürgermeisterkandidaten ein und sie kamen: alle drei. Sicher spielte die Initiative ihrem eigenen Mitglied Walter Luser den Ball zu. Das ist legitim und nur zu verständlich. Bei Luser (Grüne) ist die Position seit langem auch bekannt. Er ficht gegen das Baugebiet "Sommeraue". Nicht von Beginn an, denn vor 15 Jahren gab es politisch einen Walter Luser noch nicht, aber er tut dies seit Beginn seines politischen Engagements. Das Baugebiet Sommeraue wurde bis heute nicht realisiert. Schon seit etwa dem Jahr 2000 gährt die Idee das teilweise Naturschutzgebiet in ein Baugebiet umzuwandeln. Und dies nach negativen Erfahrungen in Heidesheim/Wackernheim mit anderen Naturschutzgebieten, die ebenfalls von bestimmten politischen Kreisen (CDU und SPD) gewünscht waren. Der "Rote Sand" zwischen Wackernheim und Heidesheim. Der Kampf gegen dieses gewünschte Baugebiet war der Schoß der Gründung der Grünen Wackernheim (1989). In Heidesheim gerieten kurze Zeit später die Köpfe aneinander bei Bestrebungen den "Weilersberg" zu bebauen. Die ehemalige Sandgrube Richtung Ingelheim, die gewerblich abgebaut wurde, wollten CDU und SPD bebauen. Heute kann man das Naturschutzgebiet in der einmaligen Schönheit genießen. Ebenso misslang die Realisierung des Baugebietes "Bitz-Beinchen". Die CDU und SPD wollten auch dieses, aber ein erklärtes Naturschutzgebiet kam den Verwirklichungsplänen in den frühen 90er Jahren in die Quere. Für die Befürworter dieser Baugebiete wurde der Wiedehopf zum "roten Tuch" und wohl meistgehassten Vogel. Wo er doch einzigartig schön ist und noch dazu so selten in Europa. Auch die äußerst seltenen Gräser in unserer Gegend, die nur in ganz seltenen Regionen Europas zu finden sind, schreckten die bauwilligen aus CDU und SPD in der Vergangenheit nicht ab.

Nun tritt Martin Weidmann (SPD) ganz anders auf. Er gibt sich als volksnah, Heidesheimer durch und durch und parteiunabhängig. Er ist allerdings Mitglied der SPD, auch schon in früheren Jahren im Ortsgemeinderat von Heidesheim gewesen. Er stellt sich als "Nicht-Politiker" dar und gewinnt so seine Anhänger. Weidmann verspricht eine Totalwende in Sachen Baugebiet Sommeraue. Er setzt dabei auf Vertrauen, das ihm entgegengebracht werden soll und verspricht, dass er diese Position auch mit der Fraktion abgesprochen habe. Dünnhäutig reagierte er aber auf die Frage des Linken Jochen Schmidt, wie er zu einem eventuellen Interessenkonflikt stünde. Er sei Bauunternehmer und damit beruflich an Aufträgen interessiert. Das Baugebiet Sommeraue könne als Beispiel genommen werden. Als Bürgemeisterkandidat müsse er sich eine solche Frage stellen lassen. Weidmann dagegen konterte hart und warf den Linken Kampagnenführung gegen ihn vor. Hier reagierte er schon recht gekonnt, wie ein Politiker. Interessenkonflikte kann es natürlich geben, wird es geben. Das kennt man nicht nur aus Soaps aus dem Fernsehen. Als Bürgermeister ist man absolut über jede Bewegung im Ort informiert, besonders über Aufträge bei Bauunternehmungen. Hier gibt es Auftragsbeschreibung und Bewerbungen. Die Gemeinden sind dazu verpflichtet, immer dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu erteilen. Dieses Verfahren birgt einige Begehrlichkeiten und auch Gefahren. Selbstverständlich wäre es angebracht, wenn sich ein Kandidat  hierzu klar erklärt, besonders wenn er Bauunternehmer ist. Es gehört zu einem demokratischen und fairen Verhalten. Mit dem Hinweis auf "Vertrauen" alleine kann keine befriedigende Antwort gegeben sein. Ein Psychonalytiker oder Therapeut, genauso wie ein Richter, Supervisor und andere Berufe müssen für sich selbst prüfen und sind der Öffentlichkeit auch gegenüber verpflichtet, Neutralität zu gewährleisten. Sie dürfen nicht mit Fällen arbeiten, zu denen sie persönliche Beziehungen haben. Dies muss auch für einen Bauunternehmer gelten, wenn er ein Bürgermeisteramt bekleiden will.

Jens-Lothar Hessel saß in der Runde der drei Bewerber auf einsamem Posten, nachdem Weidmann den Ausstieg der SPD aus dem Bau-Szenario verkündete. Er und seine CDU sind maßgeblich bekannt dafür, das Baugebiet "Sommeraue" gewollt zu haben. Seine Argumentation blieb ein Versuch, einer eindeutigen Stellungnahme auszuweichen, den Rat als verantwortlich dazustellen. Immer wieder verwies er auf den notwendigen Bau einer neuen K18 entlang des Flutgrabens, um die präkere Verkehrsführung in der Wackernheimer Straße zu entschärfen. Weidmann erwiderte, dass hierfür eine Lösung zu finden sei und Luser verstärkte dies mit dem Hinweis, dass eine Baubehelfsstraße absolut nicht den finanziellen und technischen Anforderungen einer ausgebauten Straße enspräche. Auch der Hinweis Hessels auf ausstehende Kosten bei einem Rückzug aus dem Bebauungsverfahren von ca. 100 000 € wiesen die beiden anderen Kandidaten zurück. Wenn es eben so ist, dann müsse man in den saueren Apfel beißen, so in etwa Weidmann.

Aktualisiert ( Dienstag, den 13. Mai 2014 um 16:02 Uhr )