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Theater

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SchwachPerfekt 

Premiere in Heidesheim

Heidesheim 04.10.2014  Bericht aus AZ

 

„Mein Traum ist es zu leben“

 

KULTURSOMMER Palästinensisches Ashtar Theatre gibt in den „Gaza monologues“ Einblick in verstörte Kinderseelen

HEIDESHEIM - Ein lauter Tritt, eine drohende Geste. Ängstlich kauern sich fünf Jugendliche in schwarz-weißen T-Shirts hinter einem großen Rahmen zusammen. Der maskierte Mann hebt den Kopf und öffnet die Hände, auf Beifall wartend. Der bleibt aus. Wie ein Dirigent zieht er die Fäden, die Schicksale der jungen Menschen, die in dem Theaterstück „Gaza monologues“ im Schönborner Hof über ihr Leben im besetzten Gebiet berichten.

Unerträgliche Enge

Da ist Tamer Nijim (23). Er lebt in Gaza. Tamer zündet eine Gedenkkerze an. „Alle Welt redet von Gaza seit der Krieg ausgebrochen ist“, stößt er wütend aus. Das Schreien und Heulen in den Straßen ist noch kein Alltag für Tamer, als er erfährt, dass sein Onkel als Märtyrer ums Leben gekommen ist. Immer wütender presst er die arabischen Worte heraus. Mittlerweile kann er die Enge in Gaza nicht mehr ertragen. „Es macht mich verrückt“, sagt Tamer.

Dann ist da der Monolog von Reem Afema (Dalia Saeed). Sie will Kinderärztin werden, doch alles um sie herum macht sie traurig. „Das Beste ist, einfach zu schlafen“, sagt sie. Sami El Jerjawi (Waleed Hantdi) verlor seinen Freund Zaki bei einem Raketenangriff. Er war weder im Krankenhaus noch beim Begräbnis. „Zaki lebt. Er redet jede Nacht mit mir“, lächelt er.

Mit jedem Monolog, den die Jugendlichen des „Ashtar Theatre“ aus Ramallah in Westjordanland darstellen, zeigen sie neue und verstörende Perspektiven des Krieges. Das Bühnenbild ist kahl, sie improvisieren mit dem, was vorhanden ist. Aber in jeder Rolle zeigen die jungen Darsteller den unbändigen Lebenswillen. „Ich weiß Dinge, die man in meinem Alter nicht wissen sollte“, heißt es an einer Stelle. Nur zögernd, doch lang anhaltend klatschen die rund 50 Besucher nach der 40-minütigen Vorstellung. Die szenischen Geschichten auf Englisch und Arabisch über eine Kindheit auf den Straßen Palästinas sind keine Fiktion.

Die jungen Schauspieler leben selbst im von Israel besetzten Gebiet, teilen das gleiche Schicksal, wie die Autoren der Monologe. Tamer spielt seine eigene Geschichte, denn er ist einer der Autoren des Stücks. Nur mühsam konnte er nach zweiwöchigen Versuchen aus Gaza ausreisen, um mit den Schauspielkollegen aus dem Westjordanland vier Wochen lang in Deutschland und Österreich aufzutreten, berichtet er in der Diskussionsrunde mit dem Publikum. „Wir sind auf vier Routen gereist, mussten oft Flüge stornieren. Die Kontrollen sind erniedrigend. Wir sind doch keine Terroristen“, empört sich die 18-jährige Sasha.

Aktualisiert ( Sonntag, den 05. Oktober 2014 um 08:59 Uhr )