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Flucht

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Brauchen wir Flüchtlinge?

 

Diese Frage hört man in letzter Zeit öfter: brauchen wir Flüchtlinge? Wir müssen das Kontingent von Flüchtlingen bestimmen! Es gibt nützliche Flüchtlinge, es gibt gebildete Flüchtlinge , es gibt ungebildete Flüchtlinge, es gibt sozial verträgliche Flüchtlinge und es gibt asoziale Flüchtlinge, es gibt politische Flüchtlinge, anerkannte Flüchtlinge und nicht anerkannte Flüchtlinge und es gibt Wirtschaftsflüchtlinge. Ganz schlimm wird es,  wenn den Flüchtlingen unterstellt wird, dass sie „sozial schmarotzen“, uns den Heimischen die Arbeitsplätze wegnehmen, dass es ihnen besser gehe, als den Heimischen, dass sie verantwortlich gemacht werden für alle möglichen Miseren, die wir hier in unserer Gesellschaft haben. Einige fordern sogar dazu auf, solchen „Argumenten“ ein Ohr zu schenken, diese Auffassungen ernst zu nehmen!

Kann man Flüchtlinge brauchen?

 

 

 

 

 

 

 

Wer braucht schon Flüchtlinge. Das ist keine Frage von brauchen oder benötigen. Flüchtlinge fliehen, sie sind auf der Flucht ! Das brauchen sie selbst nicht für ihr Lebensziel , noch brauchen es die Menschen oder die Regionen in die sie flüchten. Sie tun dies aus einer existenziellen Notlage heraus. Und, die Menschen zu denen sie fliehen, können sie aufnehmen, ihnen eine Zuflucht geben. Mehr nicht! Dies ist ein rein humanitäres Problem. Wir aber leben in einer sehr wirtschaftlich dominierten Gesellschaft. Die BRD ist eine Metropole des Gewinns und des materiellen Denkens. Sie hat sich ein „Bett“ des Wohlstands gerichtet. Dieses Bett steht auf den Säulen Export, rationell ausgeklügelter Produktion, Wirtschaftswachstum und Vereinzelung. Der Export ist absolut abhängig von anderen Staaten, die die Waren abnehmen, kaufen und vernichten. Darauf basiert unser Wirtschaftssystem. Produzieren und vernichten, um neu zu produzieren und zu vernichten. Dies möglichst in einer Spirale des Wachstums. Rohstoffarm ist die BRD. Diese Rohstoffe müssen importiert werden. Aus Ländern, die möglichst billig abgeben, damit Gewinnmaximierung möglich ist. Diese Länder fungieren als Lieferant und gleichzeitig als Konsummarkt für die Produkte, die hier produziert werden. Die Menschen aus diesen Ländern und solchen, die durch Krieg gerade zerstört werden, flüchten. Selbstverständlich flüchten sie dorthin, wo sie Schutz und Existenzsicherung erwarten. Also in die Metropolen des Wachstums. Diese Metropolen „brauchen“ Flüchtlinge überhaupt nicht. Sie brauchen höchstens Arbeitskräfte. Und hier sind Flüchtlinge sogar zum Teil erwünscht, wenn sie in den Arbeitsmarkt integrierbar sind und nur in gewissem Maße, nur so lange das Wachstum nicht gefährdet ist. Eine humanitäre Frage stellt sich für die Metropole also gar nicht. Auch hier nur eine materielle. So wie sie nur „Waren“ kennen, betrachten sie auch die Menschen als „Ware“, die man zur Verwertung braucht oder eben nicht. Die Grenzen werden dicht gemacht. Es sind nicht mehr nationale Grenzen, sondern Grenzen der Macht und des Wachstums. Die BRD befindet sich auch hier in einer komfortablen, sicheren Position: räumlich und wirtschaftlich. Probleme der Flüchtlingsströme wurden an die Grenzen dieses Machtraumes verlagert. Schengen und Dublin, Ausweitung der EU nach Osten und Süden , Einführung des Euro , Veränderung der NATO-Strategie  und Ausweitung der NATO nach Osten sind Mosaiksteine in diesem Bestreben, den Wohlstand und die Macht im Zentrum des Wachstums zu halten und zu sichern. Die Länder an der Peripherie dieses Raumes funktionieren in  diesem Sinne. Sie werden nach Bedarf als die Schuldigen bei Versagen ausgewählt: Die Euro-Zone schränkt den Flüchtlingsstrom ein, das Mittelmeer wird militärisch bewacht, dass niemand diese Grenze überschreiten kann und die Länder, in die sich die Flüchtenden dann retten – wenn sie überlebt haben – werden diskriminiert und niedergemacht, wenn sie die Ströme nicht aufhalten können. Das ist militärisches Denken: Griechenland, Italien, Spanien im Süden und Polen, Rumänien, Bulgarien im Osten sind die Frontstaaten. Die Truppe, die das Heer der Flüchtenden aufhalten sollen, nennen sie „Frontex“. Sie patroniert  im Mittelmeer. Sie soll das Heer der Flüchtenden stoppen, einschüchtern und verhindern, dass es in die Metropole eindringt. Scheinbar humanitär gibt man sich dann in der Schuldzuweisung, dass es Schlepper seien, die die Menschen in das Unglück treiben. Dabei sind die Schlepper  nur die Gewinnler an dem Spektakel der “Mauerziehung“. Flüchtlingshelfer bei der Mauer in Berlin waren noch Helden. In der Vergangenheit errichteten die Chinesen die Mauer, um die Mongolen abzuwehren, die Römer bauten den Limes, um die Germanen zurückzuhalten, die DDR baute die Mauer, um den Kapitalismus nicht hereinzulassen, die Israelis bauen eine Mauer, um die Palästinenser nicht reinkommen zu lassen, die USA baut einen riesen Zaun, um die Ströme aus Mexiko aufzuhalten und und und. Wir wissen, dass alle Versuche dieser Art der Problemlösung vergeblich und erfolglos waren. Dies wird auch jetzt der Fall sein. Natürlich! Weil diese neuerlichen Ströme ein Resultat der wirtschaftlichen und politischen Globalisierung sind. So wie die Indo-Germanische Völkerwanderung passierte, so „passiert“ auch der heutige Fluchtstrom. Er fragt nicht nach „brauchen“ und "gebraucht werden". Und so wie die Germanen sich in Mitteleuropa neu niederließen, so werden es heutige andere Menschenströme sein. Sie werden die Welt nur in einem gewissen Grad verändern. Wirtschaftlich und politisch tat es bereits das Kapital.  Es ist das Kapital, das Denken des Wachstums, das international und global agiert. Das Kapital wanderte aus, ging an die Stellen der Welt, wo billigst produziert werden kann. Diese Auswanderung führte nicht zum Wohlstand der Menschen dort, sondern zur Verelendung. Nun haben sie sich – die Menschen -  auf den Weg gemacht. Sie werden nicht aufzuhalten sein, weder vom Kapital, noch von Frontex, noch von Kurzsichtigkeit und Schuldzuweisung.

Nehmen wir sie doch einfach auf ! Als Menschen 

Aktualisiert ( Samstag, den 18. April 2015 um 17:01 Uhr )